Montag, 6. Juli 2009


Dietrich Bonhoeffer zu Kirche und Politik

Die Kirche hat den Staat immer wieder danach zu fragen, ob sein Handeln von ihm als legitim staatliches Handeln verantwortet werden könne. Die Kirche behaftet den Staat damit mit der Aufgabe, die ihm von seinem Mandat her wahrzunehmen geboten ist.
Die Kirche hilft den Opfern des Staatshandelns karitativ. In dieser Weise ist sie nicht nur den eigenen Mitgliedern, sondern jedermann verpflichtet.
Wenn der Staat schließlich in seiner Recht und Ordnung schaffenden Funktion versagt, mithin die Aufgabe, die ihm von seinem Mandat her zukommt, verleugnet, indem er z.B. eine Gruppe der Gesellschaft rechtlos macht oder in kirchliche Interna eingreift, dann muss die Kirche in Überschreitung ihres eigenen Mandats unmittelbar politisch handeln. In diesem Fall ist es die Aufgabe der Kirche, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen. (in: R. Mayer/ R. Zimmerling, Dietrich Bonhoeffer heute, Gießen, 1993, S. 70)

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